Developer Zone

Hier ist ein Artikel mit Informationen, die für einige Leute sicher trivial sind, aber die erstaunlich vielen Softwareentwicklern nicht bekannt sind:

Selbstidentifizierende Fehler:

Es gibt in ANSI-C einen oft nicht benutzten Mechanismus, viele Fehler auch ohne Debugger aufzuspüren: Das Assert Macro. Ein Teil des Problems liegt in Deutschland wohl auch im Namen: Assert ist ein Wort, welches im allgemeinen im Englisch an der Schule nicht benutzt wird.
Meine Übersetzung hierfür lautet Zusicherung. Das Assert Macro prüft diese Zusicherung, und druckt, falls es schief geht, seine eigene Datei mit Zeilennummer im Sourcecoding aus: Ein Beispiel:

int readFile(
 char * Filename
	char * buffer
)
{
	int filehandle;
	assert( filename != NULL);
	assert(strlen(filename) > 0);
	assert(strlen(filename) < MAX_FILENAMELEN);
	
	filehandle = open(filename, READ_ONLY);
	...
}

Falls jetzt irgend jemand meine Funktion mit falschen Parametern aufruft, z.B. mit einem leeren String, passiert während des Programlaufes folgendes:

assertion failed in File readfile.c, line 34:
strlen(filename) > 0
program aborted

Der Tester, wer immer das sei, kann in der angegebenen Datei die Zeile aufspüren, in der der Fehler auftrat, und erfährt dann, dass die Funktion readFile mit einem Leerstring aufgerufen wurde. Oft hat man damit schon die Fehler, in den anderen Fällen zumindestens einen Anhaltspunkt.

Frage: Sollte man nicht eine wasserdichte Fehlerbehandlung machen?
Welcome to Reality! Die obige Lösung ist ein Einzeiler. In der Praxis bedeutet dieses: Ein Assert schreibt man auch hin, wenn man meint, das ein bestimmter Fall in der Praxis nie und nimmer auftreten wird. Im obigen Beispiel ist der Programmierer der Aufruffunktion dazu verflichtet, der Funktion einen Buffer zu verfügung zu stellen. Wenn der Buffer bei NULL liegt, hat er Mist gemacht. Bei der Länge des Filenames kommt es auf die Anwendung an: Falls hier ein vom Benutzer eingegebener String direkt benutzt wird, ist die assert Lösung allenfalls während der Prototyp Phase erlaubt.
Die Fehler, von denen man damit rechnet, dass sie während des normalen Betriebes auftreten, sollte man selbstverständlich auch korrekt abfangen.

Das Assert hat auch seinen Sinn, wenn es nicht feuert: Bei einer Fehlersuche kann ich sicher sein, dass ein bestimmtes Problem nicht aufgetreten ist, dass ich den Fehler also woanders suchen muss.

Nicht zuletzt teile ich den armen Leuten, die mein Programm einmal warten müssen, etwas über meine Intention mit: Der Pointer darf kein NULL-Pointer sein, der Dateiname soll weniger als X Buchstaben haben, ... Das alles kann man auch in Kommentaren schreiben, aber nur Coding lügt nicht.

Frage: In C++ und Java gibt es doch den Exception Mechanismus
Ja der ist oft noch besser, aber leider auch noch etwas komplizierter. Vieles, was ich gesagt habe, läßt sich auch auf diesen Mechanismus übertragen. Leider kann man sich auch nicht immer aussuchen, in welcher Sprache man programmiert.

Frage: Wenn diese Fehlermeldung dann im laufenden Betrieb beim Kunden auftritt, ist das doch eher peinlich. Und das Programm wird doch bestimmt größer und langsamer? Das heisst doch, nacher muß ich alle assert wieder rausnehmen?
Zum Glück nicht! Das Assert läßt sich durch einen Compilerschalter aktivieren oder deaktivieren. Wenn in irgendeinen Headerfile steht:

#define NDEBUG

oder in der Makedatei

-DNDEBUG

so wird für das assert kein Code erzeugt, so als ob man alle assert Zeilen rausediert hätte.

Wie funktioniert das eigentlich ?

Das Geheimnis liegt im Zusammenspiel von Preprocessor und Compiler. Das Assert ist als Macro implementiert, im allgemeinen in der Datei assert.h. Das Grundgerüst ist folgendes:

#ifdef NDEBUG
#define assert(exp)
#else
#define assert(exp) \
 ( (exp) ? (void) 0 : _assert(#exp, __FILE__, __LINE__))
#endif

Das sieht doch reichlich kryptisch aus, ist jedoch gar nicht so kompliziert: Macros sind Textersetzer. Mittels #ifdef...#else...#endif wird dafuer gesorgt, das nur Code erzeugt wird, falls das Symbol NDEBUG nicht definiert ist. Dann wird nämlich assert zusammen mit seinen Argument durch einen leeren String ersetzt, der Compiler bekommt die betreffenden Zeilen nicht einmal zu Gesicht. Im Debugfall setzt der Compiler die Wörter __FILE__ und __LINE__ durch die aktuelle Quelldatei (nicht assert.h, sondern die der Aufrufstelle) und die aktuelle Zeilennummer. Der Ausdruck #exp wird durch den aktuellen Ausdruck als String ersetzt.
Die eigenartige Klammerstruktur (xxx ? yyy : zzz) gehört zum normalen C Sprachumfang, wird jedoch von wohlerzogenen Programmierern nur in Ausnahmefällen wie diesen verwendet. Es ist etwas wie ein verkürztes if-statement. Die Backslashes am Ende der Zeile verlängern die Zeilen, da der Macromechanismus ausschließlich zeilenorientiert arbeitet. Insgesamt erzeugt der Preprozessor aus der Zeile

assert(strlen(filename) < 0);

die Zeile

((strlen(filename) > 0) ? (void) 0 : _assert("strlen(filename > 0", __FILE__, __LINE__));

Die tief im Inneren einer Libary definierte Funktion _assert() gibt die Argumente, eventuell mit printf() auf den Bildschirm aus und bricht das Program ab.

Frage: Alles schön und gut, aber ich programmiere mit einem Fenstersystem, manchmal programmiere ich auch Anwendungen ganz ohne Bildschirm. Was nun ?

Viele Benutzer haben Glück: In einigen Entwicklungsumgebungen gibt es ein assert, das ein Pop-Up-Fenster öffnet. Ansonsten lohnt es sich für solche Fälle ein assert selbst zu schreiben. Wirklich! Das prinzipielle Vorgehen ist dabei, eine Ausgabefunktion zu schreiben, die die betreffende Ausgabe irgendwohin ausgibt, die Datei assert.h zu kopieren und statt des _assert die eigenen Ausgabefunktion aufzurufen. die Ausgabe kann in eine Logdatei, über die Soundschnittstelle, als Email, als Fax, oder als was auch immer erfolgen.

Ähnlich ist auch in anderen Programmiersprachen zu verfahren: meistens bieten die Hersteller irgendeine Entsprechung zu __FILE__ und __LINE__ an, selbst wenn es nicht der offizielle Sprachstandard ist.

Frage: Das ist ja toll, was man mit Macros alles machen kann, ich habe da gerade eine Idee...

Vorsicht: Wer Macros einsetzt, um ein paar Zeilen Code zu sparen, wird es irgendwann bitter bereuen.

Ich habe mal bei einer Firma ein Macro entdeckt, das dazu dienen sollte, Teile eines Records in einen anderen zu kopieren. Dieses Macro war schon mehrere Jahre bei dieser Firma im Einsatz, leider war es nur manchmal richtig. Ich habe mit mehreren anderen Entwicklern lange vor dem Macro gesessen, um herrausfinden, was es eigentlich tat. Es arbeitete ganz gut, je nach dem mit welchen Record man es aufrief überschrieb es aber einen verbotenen Speicherbereich. Das Macro ist bestimmt für etliche Abstürze, auch bei ausgelieferten Systemen, verantwortlich. Die Firma war übrigens kurze Zeit später pleite...


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